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„Was ist denn die beste Aktie?“, fragt mich der Barkeeper mit dem kroatischen Slang. Eigentlich wollte ich im Vorbeigehen auf dem Weg nach Hause am Ostfriedhof nur noch schnell das Ende des Handball-Duells zwischen Deutschland und Frankreich in dieser Kneipe schauen. Während Uwe Gensheimer trifft, werde ich aber mal wieder angesprochen auf unseren YouTube-Kanal Mission Money. Und da ist sie wieder: Jene Frage, die ich wahrscheinlich am meisten gehört habe in den letzten Jahren. Natürlich oft nur als Spaß, aber auch oft im Ernst. Meine Antwort: Ich weiß es nicht! Natürlich hat jeder ein paar Konzerne auf dem Zettel, die er für attraktiv hält, aber auf eine Aktie sollte man sich generell nicht fokussieren.

Und es droht noch eine Gefahr: Gerade bei erfolgreichen Aktien droht immer mal wieder ein Rücksetzer. Performance Chasing kann die Ursache sein – also das Problem, dass viele Investoren der Herde folgen und eine Aktie nur kaufen, weil sie in den letzten Jahren gut gelaufen ist. Dann kann eine Überbewertung drohen.

Noch schlimmer sind Blasen, die durch Hypes entstehen. Die jüngeren Beispiele:

  • Die Tech-Blase Anfang des Jahrtausends
  • 3D-Druck-Aktien vor ein paar Jahren
  • Cannabis-Aktien in den letzten Jahren
  • Social-Media-Aktien wie Snapchat
  • Der Bitcoin und so gut wie alle anderen Krypto-Währungen in jüngster Zeit

Aber auch ohne Hype droht noch eine Gefahr: Regression to the Mean – also die Rückkehr zur Mitte. Auf gut Deutsch: Rein wissenschaftlich betrachtet nähern sich Aktienmärkte langfristig Durchschnittswerten an. Darin steckt viel Theorie, aber es gibt wohl keinen Markt oder keine Branche, die 50 Jahre in Folge mit einem Gewinnjahr abschließt.

Ich vergleiche das gerne mit dem Sport. Immer wenn in den Medien diskutiert wird, ob eine Mannschaft unschlagbar sein könnte, deutet das womöglich auf einen Umschwung hin. Im letzten Herbst wurde das dem FC Bayern zugeschrieben. Danach folgte ein Tief. Vor ein paar Wochen traute man es dem FC Liverpool zu – prompt folgte die erste Saison-Niederlage gegen Manchester City. Und im Jahr 2016 wurde der Tennis-Spieler Novak Djokovic nach einer langen Erfolgs-Serie und seinem ersten Sieg bei den French Open von vielen Experten und Journalisten für unschlagbar erklärt. Auch er hatte danach mit Niederlagen und Verletzungen zu kämpfen. Der Vergleich mag etwas schief erscheinen, aber grade für Aktien-Anfänger lässt es sich so leichter veranschaulichen.

Viel spannender als die Frage nach unbesiegbaren Aktien finde ich die Frage: Was ist eigentlich schlecht gelaufen? Und bieten solche Märkte Chancen? Es gibt die etablierte Strategie der Dogs of the Dow. Die Kurzfassung: Investoren kaufen die schlechtesten Aktien des Vorjahres. Das funktioniert aber nur bei Blue Chips, also großen Standardwerten. Wenn sie ein schlechtes Jahr hinter sich hatten, spekuliert man auf eine Erholung, weil sie in der Theorie nicht auf Dauer von Anlegern verschmäht werden. So viel zur Theorie. Wenn sowas mit Einzealaktien funktioniert, dann könnte es doch auch mit Märkten klappen.

Auch hier drohen massive Schwankungen, aber das Risiko verteilt sich bei einem Länder-Index dann doch auf viele Aktien – und nicht nur auf einen Wert. Ob diese Rückkehr zur Mitte in der Praxis funktioniert, habe ich bereits öfter für FOCUS-MONEY recherchiert. Die Ergebnisse seit 1993 siehst du in der Tabelle unten …

Wenn die schlechtesten Märkte die besten sind
Quelle: Bloomberg; alles in Euro berechnet

Die Idee: Man investiert jedes Jahr in den schlechtesten Markt des Vorjahres. Wer 1993 mit 10.000 Euro gestartet wäre, hätte heute ein Vermögen von mehr als 450.000 Euro. Wichtige Anmerkung: In der Beispielrechnung sind keine Steuern und Gebühren berücksichtigt. Die Umsetzung wäre per ETF möglich. In jedem Monat wurden in der Theorie per Sparplan 100 Euro beiseite gelegt und dann wieder am Jahresanfang in den neuen ETF investiert – also jedes Jahr kamen 1200 Euro extra als Sparsumme dazu. Und man sollte gewisse Einschränkungen machen: Hochriskante Länder wie Argentinien, Venezuela oder auch die Türkei sollten lieber ignoriert werden. Außerdem lassen sie sich teilweise nicht vernünftig über einen ETF abbilden.

Und ganz wichtig: Es geht tatsächlich nur bei Indizes, die stark schwanken. Wer sich auf die großen konzentriert, kann keine Outperformance erzielen. Beispielsweise klappt es mit Dax, Dow Jones und Nikkei überhaupt nicht. Der Grund? Auf den ersten Blick nicht ersichtlich, aber die Vermutung: Diese Märkte sind nicht so volatil wie beispielsweis China, Brasilien, Russland oder Südafrika. Das Pendel schlägt also nicht so weit nach unten aus, sodass man die Erholung nach oben stetig mitnehmen kann.

Nun erscheint die Strategie durchaus riskant und es dient aus meiner Sicht als Ergänzung. Aber einbauen will ich die Erkenntnis der Beispielrechnung durchaus in meine langfristige Strategie. Die Idee: Bei einem breiten ETF-Portfolio mit Märkten wie China, Japan, Indien, Afrika und Lateinamerika (mit sehr hohem Brasilien-Anteil) lässt sich jedes Jahr der schlechteste ETF übergewichten. Also wie beim klassischen Rebalancing will ich dann bei jenem ETF nachkaufen, der im letzten Jahr nicht so gut gelaufen ist. Sonst fließt auf die ganzen ETFs über das Jahr hinweg monatlich per Sparplan ein gewisser Beitrag hinein.

Im letzten Jahr war China der schlechteste Markt mit einem Minus von rund 25 Prozent (in Euro gerechnet). Argentinien und die Türkei sind noch schlechter gelaufen, aber wegen Währungsrisiken und politischer Risiken erscheinen sie zu gefährlich. Ich bespare das Reich der Mitte ohnehin mit einem ETF per Sparplan und habe jüngst nachgekauft.

Wichtiger Disclaimer: Dieser Blogbeitrag ist weder eine Anlageberatung, noch möchte ich die Nachahmung empfehlen.

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