YouTube-Hit: Was unser erfolgreichstes Video so gepusht hat ...

Was machen wir, wenn auf einmal das FBI vor der Tür steht? Ich weiß nicht mehr, wer den Satz ausgesprochen hat. Aber was am Anfang noch wie ein harmloser Scherz klang, war gar nicht mehr so lustig, wenn man genauer drüber nachdachte …

Wir hatten im Team lange überlegt, ob wir für unseren YouTube-Kanal Mission Money eine sehr umstrittene Person interviewen sollen: Florian Homm. Seine Vita im Schnell-Durchlauf: Harvard Business School, Fondsmanager, er war einer der reichsten Männer Deutschlands, setzte später seinen Fonds in den Sand, tauchte unter, wurde angeschossen und landete im Knast. Selbst ein Kopfgeld in Höhe von 1,5 Millionen Euro wurde auf ihn ausgesetzt. Bei einer Auslieferung in die USA drohen Homm 225 Jahre Haft.

Soll man so einem Mann eine große Bühne bei YouTube verschaffen? Denn uns war klar, dass das Video gut laufen würde. Dass es durch die Decke gehen würde, sollte uns später auch überraschen. Wir einigten uns jedenfalls schnell darauf, das Video zu machen. Aber unter folgenden Bedingungen: Wir würden Homm unbedingt auf seine schwierige Vergangenheit ansprechen und möglichst viel Distanz wahren. Journalistische Arbeit eben.

Und zu dieser Arbeit als Journalist gehört für mich auch, spannende Leute zu interviewen. Moral hin oder her. Mich interessiert ein Typ wie Florian Homm mehr als ein glatter Politiker, der Angst hat etwas Falsches zu sagen.

Es sind nur noch ein paar Tage bis Weihnachten. Wir haben uns extra für das Homm-Interview nochmal getroffen und warten gespannt auf ihn. Schauen aus dem Fenster. „Ist er das da draußen?“, fragen wir uns ständig gegenseitig. Bis es dann keinen Zweifel mehr gibt: Das ist er! Homm ist 2,03 Meter groß, trägt eine Schiebermütze und begrüßt uns freundlich. Und ich finde ihn auf Anhieb sympathisch. Obwohl mir wieder der Satz vom FBI durch den Kopf schießt.

Das Interview verläuft dann überragend. Homm steigert sich und haut vieles raus, was wir uns erhofft hatten. Eigentlich fehlt nur noch, dass er eine Zigarre zückt und sie sich ansteckt. Auch die unangenehmen Fragen zu seiner Vergangenheit beantwortet er ohne Murren. Wir sind erleichtert, als wir es im Kasten haben. „Das wird gut“, flüstere ich Timo gleich danach zu. Und es wird gut. Nach 13 Tagen schafft das Video auf unserem Kanal bereits mehr als 190.000 Aufrufe.

Der Erfolgsfaktor: Homm polarisiert!

Und hier kommen die Learnings für den YouTube-Erfolg …

Content ist King

Den hatten wir mit Homm schon mal sicher in der Tasche. Man kann ihm vieles vorwerfen, aber sicher nicht, dass er keine Ahnung von der Börse hat und das auch gut verkaufen kann. Und eine dramatische Geschichte liefert er noch dazu.

Likes sind besser

Rund 2000 Likes schaffte das Video in 13 Tagen. Das pushte das Video weit nach oben und brachte auch zwei Wochen nach Veröffentlichung noch durchschnittlich 500 Aufrufe pro Stunde.

Und das Wichtigste: KOMMENTARE

Unter dem Homm-Video ging es mehr ab denn je. 650 Kommentare nach 13 Tagen. Homm wurde gefeiert – aber auch massiv beleidigt. Und genau das liebt der Algorithmus und spielt das Video viel besser aus. Also wie immer bei einer guten Geschichte: Konflikt! Konflikt! Konflikt!

Darf ich jetzt laut sagen, dass ich mich dabei erwischt habe, Florian Homm sympathisch zu finden?  Ja, das darf ich. Denn ich weiß, dass ich trotzdem genug Distanz wahren kann – zu seiner Person und zu seinen Aussagen. Aber ich finde es sympathisch, dass er was zu sagen hat. Ich bin viel zu neugierig und zu heiß auf meinen Job, um solche Menschen zu ignorieren. Und während ich diese Zeilen schreibe, habe ich Lust, mich wieder mit Homm zu unterhalten. Weil er polarisiert. Und weil er etwas zu sagen hat.

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