Reich werden – und trotzdem Zeit haben

„Ich habe keine Zeit“, das ist für mich ein Satz, über den ich mich immer wieder wundere. Das hat gleich mehrere Gründe – dazu später. Auf jeden Fall schreibe ich diesen Text hier für gute Freunde, Kollegen und mich. Denn wir haben uns nicht erst einmal über Leute aufgeregt, die doch ach so wenig Zeit hätten. Nennen wir sie die Stressoholiker …

Kurzer Disclaimer: Es gibt Jobs, die sehr viel Verantwortung mit sich bringen und die auch eine Menge Zeit fressen. Dafür hab ich größten Respekt. Und ich will mit diesen Zeilen auch niemanden angreifen. Ich will nur dazu aufrufen, dass wir unsere Zeit besser nutzen – und damit fühle ich mich auch selbst angesprochen. Und ich möchte aus meiner persönlichen Perspektive warnen, dass du vielleicht Energie und Zeit mit Menschen verschwendest, die angeblich keine Zeit für dich haben. Meine Erfahrung lehrt mich: Auf diese Menschen kannst du in jeglicher Hinsicht verzichten.

Haben die Stressoholiker ihr Leben nicht im Griff?

Aber jetzt kommen wir erst mal zum Phänomen unserer Zeit: Nur wer Stress hat, der lebt sein Leben richtig. So kommt mir das oft vor. Mittlerweile gibt es sogar ein Phänomen namens Planshopping. Was soll das bitte sein? Ein Beispiel: Peter lädt Kate zum Dinner ein. Kate hat eigentlich Lust. Aber sie will vorher lieber noch abchecken, was ihre Freundinnen heute abends vorhaben. Und ob nicht vielleicht doch Mike Zeit hat für ein Date.

Den Stress kann man also auch noch im Privatleben noch hochfahren. Man könnte ja was verpassen und nicht das Optimum rausholen, oder? Ich sehe es genau anders. Und ich kann behaupten, dass meine Tage gut ausgefüllt sind. Gestresst fühle ich mich trotzdem eher selten – und das bleibt auch so!

Ich nehme mir ganz bewusst Pausen für Schlaf, Sport, Lesen, Serien schauen oder Abendessen mit Freunden. Wenn ich meine Zeit nicht aktiv und bewusst nutze, rutsche ich in folgende Spirale: Lethargie – Langeweile – Schuldgefühl, dass ich meine Zeit verschwende – Frust – und dann wieder Lethargie. Ich habe nur das Gefühl, keine Zeit zu haben, wenn ich sie nicht aktiv nutze. Also hab ich immer ein Buch auf dem Tisch liegen, das ich lesen will oder bei Netflix zumindest eine geile Serie am Start. Und wenn gar nichts anderes geht, gibt es immer noch die PlayStation.

Mal eine Frage: Kann es denn nicht sein, dass viele Leute einfach nur künstlich beschäftigt sind? Nicht jeder Stressoholiker, der behauptet, er wäre gestresst, muss es auch tatsächlich sein. Es schickt sich eben an, sich als Arbeitstier ins rechte Licht zu rücken. Unsere Gesellschaft legt immer noch großen Wert auf die protestantische Arbeitsethik. Frei nach dem Motto: Nur wer schuftet, ist ein guter Mensch. Nur mal als Denkanstoß: Bei den alten Griechen war körperliche Arbeit verpönt. Und in der Bibel wird Arbeit auch als Strafe Gottes erwähnt. Du solltest dir also selbst die richtige Einstellung zu Arbeit aussuchen und nicht aufdrängen lassen.

„Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nutzen.“

Seneca

Aber viele ignorieren das offensichtlich. Wer kennt diesen geistreichen Small Talk nicht zwischen zwei Fremden oder Bekannten, die sich nichts zu sagen haben:

„Und wie läuft es bei dir so?“, fragt Fremder A.

„Eigentlich ganz gut. Aber ganz schön stressig momentan“, sagt Fremder B.

„Ach, das kenn ich“, sagt Fremder A.

Ende des Gesprächs.

„Focus on being productive instead of busy.“

Tim Ferriss

Wenn jemand jeden Tag Überstunden macht, dann ist er fleißiger als jemand, der jeden Tag pünktlich das Büro verlässt. Widerspricht jemand? Hoffentlich! Denn eigentlich ist es doch scheißegal, wie viel ich arbeite. Es zählt die Leistung. Und nicht der Stresspegel.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass jene Kollegen am wenigsten leisten, die am meisten gestresst wirken oder es zumindest alle wissen lassen. Ich habe vielmehr die Erfahrung gemacht, dass erfolgreiche Menschen sich immer Zeit für wichtige Dinge und Personen nehmen und auch Ruhe ausstrahlen. Sie sind auch meistens sehr kommunikativ, ehrlich und hilfsbereit. Da ziehen sich die wenigsten zurück und schieben die Ausrede „Ich habe keine Zeit“ vor. Deswegen glaube ich auch an meine Zeile: Warum ihr keine Zeit habt – und wir trotzdem reich werden.

Ich bin Gott sei Dank in einem Arbeitsumfeld groß geworden, wo es darum geht, dass die Arbeit gut und schnell gemacht wird. Das kann ich jedem nur empfehlen.

„Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.“

Parkinsonsches Gesetz

Und du kannst es selber mal ausprobieren. Wenn du eine Aufgabe zu erledigen hast, dann lass dir nicht ewig Zeit damit, sondern versuche es möglichst schnell durchzuziehen. Nicht alles, was lange dauert, wird zwingend besser. Das besagt auch das Parkinsonsche Gesetz (siehe Zitat oben). Mir fällt das relativ einfach, da ich es durch meinen Job gewohnt bin, ständig mit Deadlines zu arbeiten. Und das ist auch gut so. Denn bei Journalisten gibt es die Gefahr, eine Geschichte tot zu recherhieren. Viele Infos sind gut, aber zu viele Infos machen die Story nicht besser.

Einfache Regel: Dinge in der Zeit durchziehen, die vorgegeben ist.

Stressoholiker, die sich selber mit Überstunden foltern, nur um dem Chef zu imponieren, können aus meiner Sicht sogar negativ sein fürs Unternehmen. Wo bleibt Zeit für Family und Freunde? Wo für Sport, um sich gesund und leistungsfähig zu halten? Und wo bleibt die Zeit neue Ideen zu finden?

Denn du brauchst Zeit für neue Ideen! Die Investorenlegende Warren Buffett denkt schon mal ein Jahr lang darüber nach, bevor sie eine Entscheidung trifft. Und dann kauft Buffett eine Aktie oder auch nicht. Seine Entscheidungen hatten dann auch meistens für lange Zeit Bestand. Und schon wieder die alten Griechen: Für das Philosophieren hat es damals schon Muße gebraucht – und keinen Stress oder KPIs.

Wir verschwenden dagegen viel Zeit in Meetings, bei Brainstormings oder Seminaren. Kennst du dieses Gefühl, wenn du hinter deinem Schreibtisch sitzt und dich zu einer Lösung für ein Problem quälst? In meinem Job trifft mich das immer wieder. Welche Zeile schreibe ich über einen Artikel, Blogpost oder auf ein Thumbnail bei YouTube?

Eines meiner Learnings: Wenn mir in fünf Minuten keine geile Überschrift einfällt, dann fällt sie mir auch in 20 Minuten nicht ein. Was mache ich dagegen? Ich rede entweder mit Kollegen über das Problem oder wenn ich merke, dass ich einfach grade keine Lust auf Arbeit habe, dann zwinge ich mich nicht dazu. Natürlich gibt es Ausnahmen, Deadlines zum Beispiel, dann muss man durch. Aber sonst kommen mir die besten Ideen, wenn ich nichts dafür kann. Sehr oft schießt mir eine Idee durch den Kopf, wenn ich an der Isar entlang laufe. Aber ich finde jeden Geisteszustand optimal, bei dem die Konzentration eben grade nicht darauf liegt, krampfhaft eine Idee zu finden. Am besten springt mein Hirn an, wenn ich Bücher lese. Dann knüpft man aus einer spannenden Geschichte oder einer Info gleich eine eigene Idee. Probier aus, was für dich am besten passt.

Stephen King hat es selbst auf den Punkt gebracht in seinem Buch „Das Leben und das Schreiben“. Ich zitiere mal ganz frei: Autoren würden immer wieder gefragt, wie sie auf eine Idee gekommen wären. Und King’s Antwort: Er weiß es nicht.

Warum kommen einem Ideen? Ich weiß auch nicht, warum mir die Idee zu genau diesem Post gekommen ist. Die Grundlage waren sicher die Gespräche mit Freunden. Die Zeile dazu ist mir eingefallen, als ich mal wieder das Buch „Unter Null“ von Bret Easton Ellis in die Hand genommen habe.

Kommen wir noch zum zweiten Aspekt der Geschichte. Manche Stressoholiker sind gar nicht gestresst, sondern führen die fehlende Zeit nur als billige Ausrede an. Wir haben alle mal keine Zeit. Aber wenn du einen wichtigen Termin hast oder keinen Bock auf jemanden, dann sag es ihm konkret. Und nenn DEN Grund. Wir Menschen lieben es, zu erfahren, warum etwas passiert.

Ich hatte selbst schon öfters mal das Problem einer Frau nach einem oder mehreren Dates abzusagen und es ist mir sehr unangenehm. Das hab ich mal mit einem Kumpel besprochen …

„Frag dich doch nicht, was sie will, sondern was deine Interessen sind“, sagte er.

„Aber ich kann ihr doch nicht schreiben, dass ich lieber Fifa spiele, als nochmal Sex mit ihr zu haben“, sagte ich.

„Vielleicht solltest du genau das schreiben“, sagte er.

Ich habe es höflicher geschrieben, aber er hatte vollkommen Recht. Einfach raus damit. Ich habe mich danach auch besser gefühlt, davor hatte ich irgendwie ein schlechtes Gewissen.

Auf der anderen Seite solltest du niemals Zeit mit Menschen verschwenden, die dich hinhalten. Meine Erfahrung sagt zu 100 Prozent: Es lohnt sich nicht!

Also nimm dir Zeit – aber unbedingt für die richtigen Dinge.

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