Fotocredit: Lisa Hantke

Du musst mehr tun! Der Typ links neben dir verdient mehr und trägt eine Rolex. Du brauchst dringend mehr Geld! Der Typ rechts sieht besser aus und hat keine Wampe, nicht mal einen Ansatz davon. Du wirst nie wieder Schokolade essen! Nie wieder! Und sogar die Frau neben dir ist größer als du. Hilfe! Vielleicht solltest du dieses Leben einfach abschreiben. Nein, so leicht kommst du nicht davon! Du MUSST etwas unternehmen!

Kennst du auch diese Stimme im Kopf? Diese Stimme, die dich maßregelt für deine Schwächen. Für mich ist es ein großer Fail, wenn wir uns von dieser Stimme leiten lassen! Aber ich gebe es gleich zu, auch ich höre diese Stimme – immer wieder. Ich beobachte mich oft dabei, wie ich Dinge schlecht rede, obwohl ich weiß, dass es mir gut geht. Das ich auf dem richtigen Weg bin und mich sogar einige beneiden um jene Dinge, die ich kann, habe oder haben könnte. Aber trotzdem beißt dieses Gefühl immer wieder zu. Es muss einfach immer mehr sein!

Manchmal brauche ich diese kleine Provokation an mich selbst, um mich zu motivieren. Denn besser werden wollen wir alle. Denn das gehört zur menschlichen Natur. Das Streben nach Besserem – und vor allem nach Neuem. Aber wir sollten es nicht übertreiben. Sonst versklaven wir uns zu einer Leistungs-Maschine, die sich ständig mit anderen vergleicht und irgendwann heiß läuft. Und diese Maschine verbrennt immer mehr und wir schaffen es nie, genug Kohle nachzulegen.

„Gratitude is the wine of the soul. Go on. Get drunk!“

Rumi

Es gibt eine schöne Fabel des griechischen Dichters Phaedrus: Canis per fluvium carnem ferens (Der Hund, welcher Fleisch durch den Fluss trägt). Die Geschichte geht so: Ein Hund schwimmt mit seiner Beute durch einen Fluss und plötzlich erstarrt er. Im Wasser spiegelt sich sein Kopf mit der Beute im Maul und er schnappt danach. Dabei fällt ihm die echte Beute ins Wasser und verschwindet. Er wollte eine zweite Beute schnappen, die es niemals gab. Und am Ende steht er blank da. Das Learning: Sei mit dem zufrieden, was du hast und begehre nicht mehr als du benötigst.

Ich habe vor kurzem einen spannenden Blog-Artikel auf dem Podcast „Optimal Finance Daily“ gehört: „Don’t Think Up. Think Down.“ von Helene Massicotte. Und mich hat vor allem dieser eine Satz beeindruckt: Schau öfter nach unten. Also damit meint sie vielmehr: schau zurück! Betrachte die Vergangenheit und vergleich sie mit heute. Vergleich dich selber also nicht ständig mit anderen, sondern mit dir selbst und schätze die Entwicklung, die du in den letzten Jahren genommen hast.

Ich sitze am Valentinstag in einer französischen Brasserie in Haidhausen und muss lächeln. Meine Freundin lächelt zurück und fragt, was denn los wäre. In diesem Moment kann ich es gar nicht genau sagen, aber ich kriege das Grinsen nicht aus dem Gesicht.

Französisches Dinner: Ich versuche zu schätzen, was ich im „Hier und Jetzt“ erlebe.

Wenn ich auf die Teller vor mir schaue. Wir essen Crevetten und Schnecken, Entrecote und Lammkeule. Wir trinken Sauvignon Blanc aus Südtirol. Und wir lieben, was wir tun. Und ich liebe es in diesem Moment, nach unten zu schauen. Zurückzublicken auf die Vergangenheit.

Was für Restaurants habe ich vor 5 oder 10 Jahren besucht?

Was habe ich dort gegessen und getrunken?

Wer saß mir damals gegenüber?

Und dann blicke ich wieder ins Jetzt.

Und plötzlich fühlt sich die Gegenwart reich an! Wie wir gemeinsam über die Vergangenheit lachen können und was die Zukunft alles bringen könnte.

Vielleicht lässt es sich so zusammenfassen: eine zufriedene Gegenwart + eine ambitionierte Zukunft = Glück!

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