Coin Flip: Der Zufall spielt eine große Rolle bei unserem Trip nach Amsterdam

„Everything happens for a reason“, sagt Sarah und lächelt ihr unverschämtestes Lächeln. Wir sitzen grade in einer Bar in München und trinken Whisky Sour. Und meine Freundin weiß, dass sie mich mit diesem Satz provozieren kann. Auch wenn sie ihn in diesem Moment nicht ernst meint. Wir reden grade darüber, warum mir die Idee für diesen Blogpost ausgerechnet nachts im Halbschlaf kam. Ich habe einen sehr leichten Schlaf, was Sarah übrigens zur Verzweiflung bringt. Vielleicht ein Grund für diese kleine Provokation …

Aber zurück zum Thema: Passiert wirklich alles aus einem Grund? Und welche Rolle spielt das für Erfolg und Kreativität? Ich glaube nicht daran, dass alles einen Grund hat und sich alles planen lässt. Ich glaube an Ursache und Wirkung. Wenn du müde bist, dann bist du wahrscheinlich nicht fit genug oder du schadest deinem Körper durch schlechte Ernährung, Alkohol und Co. Natürlich passiert das aus einem Grund. Aber hat es wirklich einen Grund, dass ich nachts diese eine Idee habe?

Nur weil du deiner Ex über den Weg läufst, ist das noch lange kein Zeichen. Und nur weil der Dax fällt, muss es nicht an den schlechten Nachrichten aus China gelegen haben. Unser Hirn liebt es nach Mustern zu suchen, weil es uns Orientierung gibt. Es lässt sich anhand der Evolution erklären: Wenn es in der Steinzeit im Busch raschelte und dann ein Tiger aufkreuzte, dann war es sinnvoll, künftig bei jedem Rascheln nervös zu werden und im Zweifel schon mal davonzulaufen. Aber nicht zwingend stand nach jedem Rascheln ein Tiger parat – vielleicht jagte nur der Wind durch den Busch. Und in der heutigen Welt wird es mit so einfachen Zusammenhängen noch schwieriger.

Wir sollten uns eingestehen, dass ein Faktor eine dominante Rolle im Leben spielt: der Zufall! Wer den Zufall als Faktor akzeptiert und in seine Entscheidungen einbezieht, kann aus meiner Sicht erfolgreicher sein (der Zufall wird auch Bestandteil meiner Gesetze für mehr Geld, Motivation und Erfolg). Wenn du scheiterst, dann hat es also eine Ursache. Aber ich will meine Zeit nicht mit Fehlersuche verschwenden, sondern mich lieber darauf konzentrieren, wie ich es besser machen kann.

Und gerade wenn es um Kreativität geht, kann ich nur zu einem Bruchteil planen. Jedes Mal, wenn ich einen Blogpost schreiben soll, muss eine Idee her. Aber hast du schon mal versucht, krampfhaft eine Idee zu kriegen? Bei mir funktioniert es (fast) nie. Mir kommen die besten Ideen in der U-Bahn, im Aufzug, beim Laufen an der Isar, nachts im Schlaf oder wenn ich lese oder einen Film schaue. Meine beste Methode ist also: Bewegung. Tu was, dann kommt der Rest von alleine. Wenn ich auf der Couch liege und an die Decke starre, habe ich keine Chance. Und selbst wenn ich dann anfange zu schreiben mit einer fixen Idee, kann ich den Plan nicht von A nach Z durchziehen. Ein großer Teil der Kreativität entsteht für mich während der Arbeit. Creativity by doing.

„Pläne sind nichts. Planung ist alles.“

Dwight D. Eisenhower

Egal ob es um Geld geht oder Reisen. Pläne sind gut, aber die Realität ist besser. Und die holt uns immer wieder ein, selbst wenn wir den vermeintlich perfekten Plan in der Schublade hatten. Beim Geld können es systemische Risiken sein, beim Reisen so profane Dinge wie schlechtes Wetter oder dass eine Location, vor der man Bilder machen will, grade umgebaut wird. Deswegen wollte ich meinen nächsten Trip nach Amsterdam für ein Experiment nutzen: Planung vs. Zufall. Wie ein möglichst attraktiver Travel Guide entsteht, soll zum großen Teil der Zufall entscheiden. Wenn es um die Highlights geht, kann man in 48 Stunden eben nicht alles machen! Der Zufall wird mithelfen. Und ich bin gespannt auf das Ergebnis. Mister Mario wird zu Mister Random.

Ich habe auch schon Reisen gemacht, bei denen ich mich kaum vorbereitet habe und mich treiben ließ. Beispielsweise in Stockholm und Budapest. Ich liebe es mit Kopfhörern durch eine Stadt zu laufen und genau das zu machen, worauf ich grade Lust habe. Meine grundsätzlichen Travel Tipps findest du hier. Aber diese würde ich vor allem empfehlen, wenn du alleine unterwegs bist. In einem Team braucht es  Abstimmung und einen groben Plan – auch wenn das Team nur aus zwei Leuten besteht. Also setzen Sarah und ich uns hin und besprechen unsere MUST HAVES:

  • In einem landestypischen Hotel wohnen
  • Ein Action-Bild schießen
  • Mindestens ein witziges Bild mit typischem Amsterdam-Hintergrund schießen
  • Die Stadt von oben sehen
  • Etwas Dekadentes tun

Wir machen uns einen groben Ablauf, der am Freitagmittag beginnt und Sonntagmittag endet. Wichtig sind uns vor allem die 5 Highlights, die Standard-Sehenswürdigkeiten wollen wir entweder darin einbinden oder im Vorbeigehen mitnhemen. In Amsterdam entscheidet dann eine Münze: Tulpen oder Gouda? Eislaufbahn oder Fahrrad? Hausboot oder Brückenhaus? Das Gerüst für den unvergesslichen Trip steht – den Rest entscheidet der Coin Flip. Und jetzt nehmen wir dich mit auf unsere Reise durch Amsterdam …

Erster Coin Flip: Boot vs. Brücke

Die erste Entscheidung fällt schon daheim in München: Wo wollen wir wohnen? In Amsterdam soll es eine außergewöhnliche und typische Location sein. Als erstes kommt uns ein Hausboot in den Sinn, aber wir brauchen noch eine zweite Option und finden sie. In der ganzen Stadt wurden alte Brückenhäuschen zu Hotels umgebaut …

Hausboot bekommt Kopf.

Brückenhäuschen bekommt Zahl.

Sarah wirft Zahl!

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Das Hotel war genau das Erlebnis, das wir gesucht hatten: außergewöhnlich. Abends ganz oben im Brückenhäuschen sitzen, umgeben von einer Glasfront mit Blick auf den Kanal und die Skyline von Amsterdam, am Laptop Bilder bearbeiten und am Blog schreiben, das bringt mir genau jene Abwechslung, die ich für neue Ideen brauche.

Zweiter Coin Flip: Skaten vs. Radeln

Und weiter geht’s mit Action! Im Januar bietet sich draußen nicht so viel an, also entscheiden wir uns für die erste Option: Eislaufen vor dem Rijksmuseum. Die zweite Option: mit dem Fahrrad durch die Stadt.

Skaten bekommt Kopf.

Fahrrad bekommt Zahl.

Sarah wirft Kopf.

Selfie auf der Eislaufbahn vor dem Rijksmuseum.

Aber vielleicht hätte sie das besser nicht getan. Wir schießen coole Fotos auf der Eisfläche, aber es kommt dann doch zu einem kleinen Sturz und Sarah holt sich einen Cut am Ringfinger. Nicht wild, aber wir müssen es trotzdem verbinden und wieder mal hat der Zufall zugeschlagen. Sarah wollte noch viele Bilder machen, bei denen sie mit beiden Händen etwas in die Kamera hält. Was jetzt? Wir ändern erst mal den Plan. Nächster Stopp: Apotheke. Und dann kommt für den Rest des Wochenendes ein Handschuh über den Verband.

Wer Sarah in Lebensgefahr sehen will, klickt hier: Sarah in Action vor dem Rijksmuseum

Wer sich ohne Schlittschuhe am Museumsplein aufhält, sollte sich unbedingt das Rijksmuseum und vor allem das Van-Gogh-Museum (mein persönlicher Favorit) von innen anschauen 😉

Dritter Coin Flip: Tulpen vs. Gouda

Jetzt kommen wir zum Highlight für Instagram. Wir wollten ein Bild schießen nach dem Motto: Es-soll-Amsterdam-im-Hintergrund-zu-sehen-sein-und-wir-im-Vordergrund-mit-einem-Detail-das-vor-Klischee-strotz. Also fiel die Entscheidung zwischen einem Stück Gouda und einem Strauß Tulpen.

Der Käse bekommt Kopf.

Die Tulpen bekommen Zahl.

Und Sarah wirft wieder Zahl!

Mehr Instagram geht nicht: Posing mit Tulpen zwischen Amstel und Prinzengracht.

Noch eine Info: Wir wollten die Blumen eigentlich auf dem legendären Tulpenmarkt kaufen. Aber der ist eher eine Enttäuschung. Zum Vorbeigehen ok und das Viertel drumherum ist cool, aber die Blumen einfach zu teuer und auch sonst ist es kein Highlight. Wenn ihr wirklich Tulpen für ein Foto kaufen wollt, dann holt sie lieber im Supermarkt. Und noch ein Fun Fact: Einen Gouda haben wir trotzdem noch gekauft. Die Käseladen in Amsterdam klingen zwar nach Klischee, aber ich finde sie überragend.

Vierter Coin Flip: Rooftop vs. Kirchturm

Jetzt kommen wir zu meiner Lieblings-Beschäftigung: Eine Stadt von oben erleben und fotografieren. Normalerweise renne ich auf jeden Kirchturm in einer Stadt und das habe ich auch diesmal vor. Aber Sarah will lieber in eine Rooftop-Bar und Bilder von ihrem Avocado-Toast machen. Ich kann mit beidem leben …

Der Kirchturm kriegt Kopf.

Die Rooftopbar kriegt Zahl.

Und Sarah wirft schon wieder Zahl!

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Fünfter Coin Flip: Afternoon Tea vs. Casino-Besuch

Man soll ja immer mit einem Erdbeben anfangen und sich dann langsam steigern. Also steht für das letzte Highlight noch was ganz Besonderes an. Entweder lassen wir es richtig krachen beim besten Afternoon Tea der Stadt mit Kaviar aus goldenen Eiern, Champagner, Scones und Lachs. Oder wir zocken abends im Casino Roulette und Black Jack …

Das Casino kriegt Kopf.

Der Afternoon Tea kriegt Zahl.

Und Sarah wirft nochmal Zahl.

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Und nun zu den Klassikern …

Unsere Highlights haben wir erledigt, aber natürlich lässt sich in Amsterdam auch noch einiges sehen, was zu den Must Haves gehört …

  • die Brücke, von der sich Van Gogh aus gerne inspirieren ließ (siehe Bild)
  • der Damrak (siehe Bild)
  • das Rotlichtviertel
  • die Magere Brug
  • Pommes essen
  • eine Grachtenfahrt
  • das Anne-Frank-Haus
  • die Foodhallen
  • und der Königspalast und und und …

Fazit fürs Zufalls-Experiment: Als Sensation Seeker bringt der Coin Flip vor allem eines – Spaß. Sich bewusst einem Zufall auszusetzen, bringt für mich nochmal einen neuen Faktor an Überraschung ins Spiel und nimmt auch Druck vom Kessel. Beispielsweise mussten wir beim Rooftop nicht diskutieren, sondern die Entscheidung wurde uns einfach abgenommen. Und die kreativsten Lösungen entstehen dann eben oft spontan. Ich kann eine Situation erst einschätzen, wenn ich sie erlebe und spüre. Und selbst den besten Plan hätten wir nicht durchziehen können, wer hätte zum Beispiel fix mit einem Sturz beim Skaten gerechnet …

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