Fotocredit: Lisa Hantke Photography

Auf unserem YouTube-Kanal MISSION MONEY hatte ich es bereits verkündet: Ich arbeite an einem Buch. Der Arbeitstitel heißt: „Fail Better – smarter, stärker, reicher: So meisterst du X Hindernisse und erreichst deine Ziele“. Hier kommt ein kurzer Ausriss meiner 7 Regeln, die die Grundlage für das Buch und mein Mindset bilden …

I. Talent bedeutet (fast) nichts

Manche Menschen haben einfach die perfekten Voraussetzungen: Der Vater verdient als Unternehmer Millionen, die Mutter betreibt ihre eigene Praxis. Der Sohn besucht eine Privatschule und hat die beste Ausbildung. Oder jemand kommt mit einem hohen IQ auf die Welt und hat die Intelligenz quasi geerbt. Sie sind die Auserwählten!

FAIL!

BETTER: Das Wichtigste zuerst – wir haben es in der eigenen Hand! Nicht alles, aber vieles.

Talent und Intelligenz bilden die Grundlage, aber sie garantieren keinen Erfolg. Und: Intelligenz ist nicht angeboren, wir können sie trainieren. Psychologische Studien zeigen: Wer bereit ist Fehler zu machen und daraus zu lernen, kann sich stetig verbessern. Das nennt die Psychologin Carol Dweck in ihrem Buch „Selbstbild“ dynamisches Selbstbild.

Aber was bedeutet das genau? Wer weniger Talent und Intelligenz haben mag, sich aber dynamisch entwickelt, kann viel erfolgreicher werden als jemand mit statischen Selbstbild.

Ein Vergleich zwischen einem Dynamiker und einem Statiker:

Der Dynamiker sucht sich gerne schwere Aufgaben. Er scheitert womöglich, aber er lernt daraus und wird besser. Also scheitert er quasi besser.

Der Statiker sucht sich einfache Aufgaben. Er schafft sie und holt sich dadurch Selbstvertrauen. Aber er lernt nichts dazu.

Der Dynamiker fragt nach, wenn er etwas nicht kapiert. Er hat keine Angst, als Dummkopf abgestempelt zu werden und lernt durch die Antwort dazu.

Der Statiker schweigt alle Zweifel tot. Wenn er etwas nicht weiß, dann tut er so, als wüsste er es. Hauptsache die anderen halten ihn für klug. Das lässt ihn auf den ersten Blick smart wirken, aber auf lange Sicht wird er der Dummkopf sein.

Stephen Hawking schrieb in seinem Buch“Kurze Antworten auf große Fragen“: „Als Vater versuchte ich immer, deutlich zu machen, wie wichtig es ist, alle Fragen zu äußern, die man hat.“

FAIL: Alles auf Schicksal schieben.

BETTER: Das Beste aus seinen Möglichkeiten machen und jeden Tag besser scheitern.

II. Erfolg lässt sich nicht kopieren

Schau doch einfach, was Elon Musk und Co. machen. Sei positiv, fokussiert, authentisch, lebe deine Leidenschaft und gründe ein Unternehmen. Wenn du die Geheimnisse der besten Entrepreneure befolgst, wirst du es schaffen.

FAIL!

BETTER: Du musst dein WARUM kennen und mit deinem persönlichen Stil erfolgreich werden.

Ein großes Problem: Es werden immer mehr Patentrezepte für Erfolg verkauft. Ich nenne es die Erfolgslüge! Wir nehmen ein bisschen Mut, Kreativität, Authentizität, Leidenschaft natürlich und schon ist es fertig das Rezept. Das Rezept für Erfolg. Ich halte es für Schwachsinn. Es gibt Basics für Erfolg, aber keine Anleitung dafür. Ich will dir hier mitgeben, welche Fehler du vermeiden kannst. Was du verbessern kannst, um deine Chancen auf Erfolg zu steigern. Aber mehr geht nicht.

Ein weiteres Problem beim Kopieren der Erfolgreichen besteht im sogenannten Resulting – wir bewerten also gerne das Ergebnis (Result) und nicht den Rest. Jemand, der erfolgreich geworden ist, mag sogar eine dumme Entscheidung getroffen haben und einfach Glück gehabt haben. Das Ergebnis zählt, die Entscheidung nichts. Oder besser gesagt: Sie wird im Nachhinein beschönigt.

Mark Zuckerberg hat zum Beispiel sein Studium geschmissen und ist heute einer der reichsten Menschen der Welt. Aber was lernen wir daraus? Dass wir erfolgreich werden, wenn wir die Uni schmeißen? Wohl kaum. Um das zu veranschaulichen hilft es, den Survivorship Bias zu verstehen. Es gehen sehr viele den Zuckerberg-Weg, schmeißen ihr Studium, starten ein Business – aber sie scheitern. In den Schlagzeilen stehen aber nur die wenigen Sieger, also die Überlebenden sozusagen. Die vielen Verlierer vergessen wir gerne.

Und dann kommt noch ein Faktor dazu: Wir überhöhen die Erfolgreichen gerne und schreiben ihnen Genialität und gewisse Eigenschaften zu. Aber hinter den meisten Erfolgen steckt viel harte Arbeit. Und es arbeiten sehr viele Menschen hart auf dieser Welt. An einem Buch, einem Online-Shop, einem Café, einer Mode-Kollektion oder einem Instagram-Account. Also solltest du dir nur Erfolg versprechen, wenn du es wirklich willst und deine intrinsische Motivation kennst – oder besser gesagt: dein WARUM.

Warum schreibe ich diesen Blog hier? Ich will mein Ding machen und jene Dinge weitergeben, die mich bewegen und die mir weitergeholfen haben. Ich habe ein hohes Mitteilungsbedürfnis und liebe es Menschen zu motivieren, sie zu inspieren. Wenn du grade diese Zeilen liest, dann bist du für mich wie ein guter Freund, dem ich erzählen will, was ich heute Spannendes gelesen habe. Und das erzähle ich genau so, wie es mir passt.

Wenn ich schreibe, verwende ich meine Worte und denke nicht daran, was jemand hören will oder erwartet. Es fängt schon auf Instagram an: Bilder und Postings werden nur jemanden interessieren, wenn sie zu dir passen, wenn sie echt sind. Wenn du den Leuten einen Teil von dir zeigst und nicht eine Hülle. Mir hilft ein Satz von Neil Gaiman immer weiter, wenn ich merke, dass ich grade nicht mit Leidenschaft schreibe: „The moment that you feel, just possibly, you are walking down the street naked, exposing too much of your heart and your mind, and what exists on the inside, showing too much of yourself … That is the moment, you might be starting to get it right.“

FAIL: Du versuchst den Erfolg blind zu kopieren und verrennst dich in Erfolgsstorys von anderen.

BETTER: Du weißt, was du willst. Du weißt, dass du es kannst. Du machst es zu deinem Ding. Und du arbeitest jeden Tag daran, besser zu werden.

III. Das goldene Wort heißt „Nein“

Sag Ja zum Leben und versuche jeden Tag zum glücklichsten deines Lebens machen! Nur wer das Glück jagt, wird erfolgreich sein.

FAIL!

BETTER: Vermeide Fehler und Unglück! Erfolg bedeutet Pech zu vermeiden – und nicht Glück zu jagen.

Was macht mich glücklich? Klar, ein toller Tag am Strand, ein gutes Buch lesen, den halben Tag mit meiner Freundin im Bett chillen und Netflix schauen. Und dann noch nebenbei an der Börse Geld verdienen, ohne einen Finger zu rühren. Und genau diese Sachen sollten wir so oft forcieren, wie es geht. Ich will mit Nein-Sagen nicht zu einem negativen Mindset aufrufen. Ich plädiere dafür, immer auf das Beste zu hoffen und warne vor Menschen, die Dinge schlecht reden und anderen den Mut nehmen, etwas zu riskieren. Mein Nein bezieht sich auf Entscheidungen, denen wir täglich ausgesetzt sind.

Wir glauben gerne, wir wären rational. Aber das sind wir nicht. Wir unterliegen so vielen Denkfehlern und Emotionen, die uns steuern. Beispielsweise Gier oder auch dem Dispositions-Effekt. Bei Aktien bewerten wir zum Beispiel die letzten Wochen über, obwohl wir eigentlich wissen, dass der langfristige Horizont zählt. Zuletzt stand ich auch vor einem Konflikt: Ich habe Fresenius im Depot und die Aktie fiel um rund 50 Prozent. Das hat mich stark beeinflusst und ich habe mich dazu entschlossen, die Aktie langfristig nicht mehr zu halten. Ich wurde dafür kritisiert. Allerdings habe ich die Verluste nicht realisiert, sondern habe sogar nachgekauft und halte die Aktie nach wie vor. Es ging mir gar nicht so sehr um die Verluste, da ich glaube, dass sich die Aktie langfristig erholt. Aber erst in dieser Ausnahme-Situation und mit diesem Skin in the Game habe ich gemerkt, dass ich das Unternehmen nicht zu 100 Prozent einschätzen kann und ich auch nicht zu 100 Prozent hinter meiner ursprünglichen Kaufentscheidung stehe. Das hat mich weit nach vorne gebracht, um meine langfristige Strategie weiter zu verfeinern und fast nur noch auf ETFs zu setzen. Mehr dazu kannst du hier lesen.

„Man hat nur Angst, wenn man mit sich selber nicht einig ist.“

Hermann Hesse

Um es anders auszudrücken: Ich habe gemerkt, dass mein Konzept und die Statik meines Depots nicht passen. Ein klassischer Fall von Fail Better. Ich habe gemerkt, dass ich mit mir selber nicht einig war, um es mit Hermann Hesse zu sagen.

Beim Investieren träumen wir alle heimlich davon, die eine Aktie zu finden, die durch die Decke geht. Aber wie wahrscheinlich ist das? Viel wichtiger ist es, wenige Entscheidungen zu treffen – die dafür aber mit 100-prozentiger Überzeugung. Es geht in erster Linie darum kein Geld zu verlieren und Risiken zu begrenzen (siehe auch Punkt VI.). Der Psychologe C. G. Jung hat es auf den Punkt gebracht: „Das Gute ist nicht so gut, wie die Abwesenheit des Schlechten.“

Mit 20 hat mich auch der schnelle Reichtum fasziniert. Aktien sollten es sein, aber das ging dann nicht schnell genug. Während des Studiums hatte ich viel Zeit und fand dann Sportwetten spannend. Die erste größere Wette schloss ich mit einem Gewinn ab und fühlte mich unbesiegbar. Ein klassischer Fall des Hindsight Bias oder auch Overconfidence-Effekts. Ich überschätzte meine Fähigkeiten und hatte das Gefühl nach einer richtigen Entscheidung, dass das Ergebnis ja praktisch vorher schon fest stand. Aber es hätte auch anders kommen können – und so kam es dann auch … unter dem Strich hab ich danach viel Lehrgeld bezahlt. Damals hat es mich zerrissen. Im Nachhinein bin ich dankbar für die Erfahrung. Es gibt den Ausdruck Pathemata Mathemata – es lässt sich übersetzen mit „Lernen durch Schmerz“.

„Erfahrung ist, was du bekommst, wenn du nicht bekommen hast, was du wolltest“, so drückte es Howard Marks aus. Im Nachhinein wäre die Vermeidung des Pechs respektive des verlorenen Geldes viel wertvoller gewesen, als die möglichen Gewinne. Ich habe die Erfahrung gemacht, es ist im Zweifel besser, nichts zu tun. Oder einfach Nein zu sagen. Denn die meisten Sachen, sind es einfach nicht wert Ja zu sagen. Hast du schon mal von Sturgeons Gesetz gehört? Demnach sind 90 Prozent aller Sachen Schrott. 90 Prozent aller Bücher oder Filme auf dem Markt. Es ist benannt nach dem Science-Fiction-Autor Theodore Sturgeon, der sich immer dafür rechtfertigen musste, dass SciFi-Romane doch alle Schund wären. Er verwies darauf, dass das sich auf die meisten Romane zutreffen würde, aber eben nicht auf alle.

Ich habe mich immer leichter damit getan, zu definieren, was ich nicht will. Das nennt man auch Via Negativa, also negative Theologie. Gerade bei Menschen lässt sich das auch übertragen. Ich komme mit den meisten wunderbar klar, aber enge Freundschaften sind eben nicht mit vielen Menschen möglich. Um sich blind zu verstehen, gehört einfach mehr dazu als ein paar Interessen. Vielleicht kommt eine Quote von 90 zu 10 Prozent sogar hin. Und wenn es um Liebe und Partnerwahl geht, dann wird es noch enger. Aber das sehe ich positiv! Denn ich musste erst negative Erfahrungen machen und lernen, was ich auf keinen Fall will. Heute weiß ich dadurch genau, was ich will und bin glücklich damit. Zu Menschen, mit denen ich nicht glücklich bin oder die mich negativ beeinflussen, sage ich schon länger Nein.

FAIL: Jage blind dem Glück nach und gehe dumme Risiken ein.

BETTER: Sag Nein zu den vielen schlechten Optionen auf dieser Welt und nur Ja zu den wenigen guten.

IV. Der Zufall ist ein mächtiger Gegner

Everything happens for a reason. Weil alles im Leben einen Sinn hat.

FAIL!

BETTER: Viele Dinge passieren ohne einen bestimmten Grund. Wer den Zufall als wichtigen Faktor akzeptiert und für seine Entscheidungen berücksichtigt, fährt auf Dauer besser.

Unser Hirn sucht gerne nach Mustern. Das klassische Beispiel sind Statistiken oder Charts bei Aktien. Im Nachhinein scheint sowieso immer alles logisch zu sein. Das Börsenjahr konnte ja nichts werden, weil der Januar schon so schlecht lief. Das Date musste schiefgehen, weil ich mich nicht wohlgefühlt habe. Und das Vorstellungsgespräch konnte nichts werden, weil ich die falschen Klamotten anhatte.

Natürlich gibt es Gründe dafür, warum wir Erfolg haben und warum wir scheitern. Wenn du besoffen zum Date kommst, wird es schwierig. In Flip Flops wird es auch schwierig mit dem Job in der Bank. Und es gibt physikalische Gesetze, die unsere Welt bestimmen. Aber manche Dinge passieren einfach – ohne Grund. Und selbst Dinge, die wir für schier unmöglich halten, passieren einfach. Und wehe wenn es passiert, dann muss doch ein tieferer Sinn dahinterstecken, oder?

Es gibt eine schöne Anekdote zum Zufall:

Der Schauspieler Anthony Hopkins sollte 1972 in einem Film mitspielen, der auf dem Roman „Das Mädchen von Petrovka“ basierte. Also wollte er sich in den Buchläden Londons ein Exemplar des Buchs besorgen. Aber Pech gehabt! Es war überall ausverkauft. Als er frustriert in die U-Bahn stieg, lag auf einer Bank in der Station Leicester Square ein zerfleddertes Buch – tatsächlich „Das Mädchen von Petrovka“. Klingt absurd, aber es wurde noch irrer. Nach den Dreharbeiten lernte Hopkins den Autor kennen: George Feifer. Er schimpfte, dass er sein eigenes Exemplar des Buches verloren hatte. Hopkins zog sein Buch aus der Tasche – und es war tatsächlich das Buch des Autors selbst. Aber hat diese Story tatsächlich einen tieferen Sinn? Wir wissen es nicht, aber es lässt sich aus purer Logik nur auf den Zufall schieben.

„Seit die Menschen nicht mehr an Gott glauben, glauben sie nicht an nichts, sie glauben allen möglichen Unsinn.“

Gilbert Keith Chesterton

Warum sucht unser Hirn so gerne nach Mustern und Gründen? Zum einen versuchen wir uns die Welt zu erklären. Nichts macht uns mehr Angst, als Dinge nicht zu verstehen. Also muss eine Erklärung her! Und es macht aus psychologischer Sicht auch Sinn. Es ist nichts anderes als ein Coping-Mechanismus. Wenn wir einen Grund dafür suchen, warum wir gescheitert sind, dann können wir das Versagen abstrakt machen und von uns weghalten. Es ist ganz normal und gesund, aber man muss aufpassen damit, die Welt überzuerklären.

Gerade im Umgang mit Geld kann sowas schnell gefährlich werden, wenn sich Zusammenhänge herstellen lassen, die offensichtlich nichts miteinander zu tun haben. Kennst du zum Beispiel den Superbowl-Indikator? Er geht auf den ehemaligen Sportreporter Leonard Koppett zurück. Mitte der 1970er-Jahre fiel im ein spektakulärer Zusammenhang zwischen Football und Börse auf: Und zwar hatte der Gewinner des Superbowls scheinbar einen Einfluss darauf, wie sich der US-Aktienmarkt danach entwickelte. Wichtige Info dazu: Die NFL besteht aus zwei sogenannten Conferences: der National Football Conference (NFC) und der American Football Conference (AFC). Immer wenn ein Team aus der NFC triumphierte, dann stieg der S&P 500. In 40 von 50 Fällen lag der Indikator richtig. Aber jetzt noch eine wichtige Info: Football und Aktien haben natürlich überhaupt nichts miteinander zu tun. Der Grund für die Korrelation: purer Zufall. Statistiker bringen es so auf den Punkt: „Korrelation bedeutet nicht Ursache.“

„Korrelation bedeutet nicht Ursache.“

Ich habe selber die Erfahrung mit Kryptowährungen gemacht. Für einen gewissen Zeitraum entwickelten sich Bitcoin und Co. in einem gewissen Korridor und ich bekam ein Gefühl dafür, wann man beim Trading aussteigen und wieder einsteigen konnte. Jeder fällt solchen vermeintlichen Gesetzen zum Opfer. Aber irgendwann läuft es eben nicht mehr so, als hätte eine unsichtbare Hand Regie geführt.

Ein Beispiel im persönlichen Umgang mit Menschen zeigt ebenfalls das Problem. Überleg mal, wie viele Menschen man in seinem Leben vor den Kopf stößt. Meistens denken wir uns nichts dabei – aber wehe uns stößt jemand vor den Kopf. Dann stellen wir uns sofort eine Frage: warum? Meistens hat es wahrscheinlich keinen Grund. Man sollte sich aus meiner Sicht also nicht verrückt machen mit der Suche nach Gründen. Wer sich jeden Tag versucht die Welt zu erklären und in allem einen Sinn oder ein geheimes Zeichen erkennen will, der verschwendet meistens nur Zeit.

FAIL: Suche nach Mustern und Erklärungen, die es eigentlich gar nicht gibt.

BETTER: Konzentriere dich auf Dinge, die du beeinflussen kannst und bereite dich so gut wie möglich durch Strategie und Mindset darauf vor, dass der Zufall dich immer wieder überrascht.

V. Ego kann dein Leben zerstören

Ich habe immer Recht und lasse mir von niemandem etwas sagen! Schließlich bin ich der Größte und das werde ich euch allen beweisen!

FAIL!

BETTER: Konzentriere dich auf dein Spiel. Und versuche nicht verbissen andere Menschen zu beeindrucken.

„My name is ego and I will scare you to death“, lese ich und in diesem Moment rutscht mir die Kinnlade nach unten. Das verändert alles, denke ich. Ich stehe in einem dunklen Raum im Museum für Moderne Kunst in Stockholm und sehe diesen irren Film auf der Leinwand. Ein Film von Nathalie Djurberg und Hans Berg. Der Synthesizer dröhnt und spielt einen psychodelischen Sound. Auf der Leinwand sind zwei Figuren zu sehen: Mutter und Baby. Dargestellt sind sie als Knetfiguren. Die Mutter verendet während des Films und verwandelt sich am Ende in einen Skorpion. Das Kind macht ihr Vorwürfe und fürchtet sich in seinen Windeln zu Tode. Scared to Death.

Über Ego und die Bedeutung für mein Leben hatte ich vor diesem Aha-Moment in Stockholm schon öfters nachgedacht, aber so klar wie dieser Satz, hat es für mich noch nie etwas auf den Punkt gebracht. Ego kann eine tolle Sache sein, es wächst, wenn wir gewinnen. Wir wollen besser sein als andere. Mehr verdienen, eine dickere Uhr, die schönere Frau, den besseren Job – und natürlich mehr Performance im Depot. Aber macht uns das wirklich besser? Macht es uns glücklicher? Müssen wir unser Ego immer weiter aufplustern?

Wer sich für den Größten hält oder zumindest der Größte sein will, unterliegt schnell der Gefahr des „self-serving-bias“ oder auch der selbstwertdienlichen Verzerrung. Das bedeutet auf Deutsch: Man arbeitet an der Selbstgerechtigkeit und tut Dinge nur aus einem Grund – um besser dazustehen als andere. Wenn wir Erfolge feiern, schreiben wir das uns selbst zu. Wenn wir scheitern, dann waren die anderen schuld. Eine gefährliche Mischung: Denn wer sich nach einem Erfolg für ein Genie hält, der wird gerne übermütig und geht dumme Risiken ein. Diese Erfahrung habe ich bereits oben beschrieben (siehe Punkt III.). Und wer sein Scheitern immer auf andere schiebt, der wird nie die Motivation aufbringen sich zu hinterfragen und zu verbessern.

„Vergleichen Sie sich nur mit dem, der Sie gestern waren, nicht mit irgendwem von heute“

Jordan B. Peterson

Ein weiteres Problem bei der Selbst-Überhöhung: Wir vergleichen uns ständig. Denn wir müssen ja exakt wissen, wo der andere steht, um uns einen Zentimeter größer zu machen. Das Problem: Vergleiche können dich in den Wahnsinn treiben. Es gibt immer einen Schöneren, Besseren, Schnelleren, Reicheren oder Klügeren. Das sollte uns grundsätzlich motivieren, aber wir sollten uns nicht ständig daran runterziehen, sondern unser eigenes Spiel spielen. Unser Warum verfolgen und jeden Tag ein bisschen besser werden. Ein Zitat bringt es für mich auf den Punkt: „Winners focus on winning. Losers focus on winners.“

Wie wütend ein Vergleich machen kann, zeigt sich sogar in der Tierwelt. Es gibt ein bekanntes Experiment mit zwei Affen. Der eine kriegt eine Gurke – und ist zufrieden damit. Als er aber sieht, dass ein anderer Affe eine Weintraube bekommt und er daraufhin wieder nur eine Gurke, wird er wütend. Wenn du dich davon überzeugen willst, dann schau dir einfach das Video an.

Ego sollte aus meiner Sicht nie das einzige Motiv sein, aus dem heraus wir handeln. Es geht im Leben nicht darum, uns über andere zu stellen. Deswegen sollte man lernen sich Fehler einzugestehen und sich notfalls auch bei anderen zu entschuldigen. Sonst landet man wieder wie oben (siehe Punkt I.) bei einer statischen Persönlichkeit. Wer immer nur darauf bedacht ist, möglichst gut auszusehen und fehlerfrei zu wirken, der ist weder echt, noch lernt er dazu.

Sollen wir nun unser Ego verteufeln und in den Keller sperren? NEIN! Im Gegenteil: Ich plädiere für ein starkes Ego. Aber ich finde es wichtig, es zu formen und im Griff zu haben. Denn wenn unser Ego Gewalt über uns ausübt und wir aus falschem Stolz handeln, dann führt es schnell in den Abgrund. Man braucht eine starke Persönlichkeit und sollte immer für sich einstehen und anderen Leuten die Wahrheit ins Gesicht sagen. Der Psychologe Jordan B. Peterson geht in seinem Buch „12 Rules for Life“ sogar so weit und behauptet, dass es Selbstverleugnung gleich kommt, wenn man nicht mit breitem Kreuz in dieser Welt auftritt und für sich einsteht.

Sprich die Wahrheit und kämpfe für deine Meinung. Aber hör den anderen Menschen zu! Und manchmal wird dich jemand eines Besseren belehren und du wirst deine Meinung ändern müssen. Ein Mensch, der ein ganzes Leben lang nie seine Meinung ändert, lebt wahrscheinlich gefährlich oder lernt zumindest nichts dazu.

FAIL: Vergleiche dich ständig mit anderen und versuche sie zu übertrumpfen.

BETTER: Spiel dein eigenes Spiel so gut wie möglich. Sei selbstbewusst, aber nicht arrogant.

VI. Alles ist eine Wette – nur Chance und Risiko zählen

Ich gehe immer auf Nummer sicher! Das Geld liegt auf der Bank und auch sonst setze ich nur auf Bewährtes! Ich bin doch kein Zocker!

FAIL!

BETTER: Du schätzt Risiken objektiv ein und nutzt Chancen.

Machen wir mal ein Experiment. Was wäre dir lieber: Konstanz oder Unsicherheit? Klar, die meisten würden sich für Konstanz entscheiden. Aber wie würdest du die Frage beantworten, wenn es sich um einen konstanten Verlust handelt? Dann würden die meisten wohl Nein schreien. Klar, wer will schon verlieren. Aber komischerweise nehmen die meisten Deutschen Verluste in Kauf. Das beste Beispiel ist das Sparbuch.

Tausende Milliarden liegen dort, aber es gibt schon lange keine Zinsen mehr. Leider gibt es da so eine unangenehme Sache namens Inflation. Klingt sperrig, aber es bedeutet einfach, dass Preise für Waren und Dienstleistungen normalerweise steigen. In einem moderatem Maß von einem oder zwei Prozent stellt Inflation kein Problem dar – außer für alle Sparer, die 0 Prozent Zinsen kassieren. Unter dem Strich verliert das Geld nämlich konstant an Wert!

Aus meiner Sicht einer der größten Fallstricke im Leben: Scheinsicherheit! Wer krampfhaft Sicherheit sucht, landet schnell bei Unsicherheit! Oder anders gesagt: Wer nichts gewinnt, der verliert eben! Aktien verteufeln viele, weil es auf den ersten Blick riskant erscheint. Ohne Plan und Wissen ist es das auch. Aber Geld auf der Bank oder unter dem Kopfkissen kann es eben auch sein. Wie bei einer Wette, sollte man immer die Chance, aber vor allem das Risiko kennen. Das Chance-Risiko-Verhältnis beim Sparbuch sieht mau aus seit Jahren. Die Chance etwas zu gewinnen liegt praktisch bei 0. Und das Risiko zu verlieren ist nicht hoch, aber durch die Inflation fährst du quasi einen sicheren Verlust ein. Von der möglichen Pleite deiner Bank oder einem Crash der Währung wollen wir da noch nicht mal reden.

Das eine Extrem im Umgang mit Geld: zu viel Angst.

Investment-Legende Benjamin Graham drückte es so aus: „Die Kunst der Kapitalanlage liegt im Management von Risiken, nicht im Management von Renditen.“ Wer also sein gesamtes Vermögen auf einem Bankkonto liegen hat, holt sich Risiko ins Portfolio, ohne überhaupt eine Chance auf Gewinn zu haben. So sieht ein schlechtes Chance-Risiko-Verhältnis aus. Viele Menschen spielen auch Lotto. Wobei auch bei diesem Spiel die Chancen nicht gerade gut stehen. Denn wie hoch fällt die Wahrscheinlichkeit beim Lotto aus, überhaupt was zu gewinnen? Sie liegt gerade mal bei 1,9 Prozent. Hast du schon mal gehört, wie jemand einen Lottospieler als Zocker beschimpft? Ich nicht! Aktien gelten dagegen gerne als Zock. Wer allerdings langfristig investiert, kann zumindest historisch gesehen kaum etwas verlieren. Wer in der Vergangengheit mindestens 25 Jahre in den Dax investierte, hatte dabei eine Gewinn-Wahrscheinlichkeit von 100 Prozent.

Das ist natürlich nur Theorie – und man muss extrem vorsichtig agieren. Gerade Anfänger neigen schnell zur Gier und verfallen ins andere Extrem: Übermut. Denn es geht nicht darum, Glück anzuziehen, also eine geniale Aktie zu finden, die alle anderen nicht finden. Es geht vielmehr darum, Pech und damit Verluste zu vermeiden. Es gilt wiederum im Zweifel, das Wort Nein möglichst oft zu benutzen (siehe Punkt III.).

Es kommt bei Aktien immer aufs Chance-Risiko-Verhältnis an. Gerade wenn Aktien seit Jahren gut gelaufen sind und die Preise relativ hoch ausfallen, werden auf einmal viele Menschen darauf aufmerksam. Die Gier geht um. Aber ist das sinnvoll? Ich kann mich an ein Gespräch mit einem Abonnenten erinnern aus dem letzten Jahr. Er hatte einen satten Kredit aufgenommen, um Aktien zu kaufen. Und das nach fast 10 Jahren Bullenmarkt. Wie hoch fällt die Wahrscheinlichkeit aus, dass die Märtke über Nacht nochmal um 50 Prozent steigen, wenn sich das Wirtschaftswachstum grade abkühlt? Und wie wahrscheinlich ist eine Stagnation oder sogar ein Rücksetzer?

Man kann Aktienmärkte nicht timen. Aber man kann das Risiko auf jeden Fall senken, indem man stufenweise investiert, beispielsweise mit einem Sparplan. Das ginge etwa so: Wenn du 100.000 Euro rumliegen hast, dann kannst du monatlich für 2.000 Euro Aktien kaufen und dein Investment auf rund vier Jahre verteilen. Und grade für Rücksetzer sollte immer genügend Bargeld übrig sein, um bei günstigeren Kursen nachkaufen zu können. So wie ich das Ende 2018 bei Fresenius gemacht habe. Altmeister Warren Buffett drückt es so aus: „Kasse zu halten ist unbequem, aber nicht so unbequem, wie etwas Dummes zu tun.“

FAIL: Setze auf Scheinsicherheit oder gehe zu hohe Risiken ein.

BETTER: Begrenze deine Risiken und nutze realistische Chancen.

VII. Fehler sind Pflicht – aber nur einmal

Einfach ein Ziel definieren, den Stahlhelm aufziehen und dann: Fokus. Fokus. Fokus. Egal, was passiert. Du hast erst verloren, wenn du aufgibst! Und wer scheitert, wird automatisch irgendwann erfolgreich sein!

FAIL!

BETTER: Man muss für Ziele kämpfen und Rückschläge in Kauf nehmen – aber es sollte immer ein Fortschritt zu sehen sein.

Sir John Templeton hat mal gesagt, die vier teuersten Wörter der englischen Sprache seien „This time it’s different“. Es mag auf den ersten Blick negativ klingen. Keine Angst, ich will dir deine Ziele nicht ausreden und es ist völlig normal, dass man auf dem Weg zu einem großen Sieg immer wieder stolpern wird. Aber man sollte sich nicht verrennen und einen Lernprozess durchmachen.

Was heißt Fail Better für mich?

Fail better heißt nicht, möglichst viele Fehler zu machen. Sondern sich ambitionierte Ziele zu setzen und diesen Stück für Stück näher zu kommen. Es gilt: Besser scheitern. Wer ständig gleich scheitert, wird nicht am Ziel ankommen.

Es lässt sich so zusammenfassen: Ziel setzen. Probieren. Scheitern. Besser machen. Scheitern. Besser machen. Und irgendwann das Ziel erreichen.

Ein tolles Beispiel ist für mich der Tennisspieler Rafael Nadal. In seiner Jugend kam es zum Duell mit seinem Gegner Richard Gasquet. Das Duell verlor Nadal. Anscheinend hat es ihn dazu gebracht, besser zu scheitern. Die folgenden 16 Duelle gegen Gasquet entschied Nadal alle für sich!

FAIL BETTER!

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