1. Fang mit einem Erdbeben an – und mach das Ende zum Tornado

Der Einstieg sollte knallen: So gilt das auch für journalistische Texte. Man sollte eben mit einem Erdbeben anfangen – und sich dann langsam steigern. Diese Weisheit kennt jeder Volontär. Und du kannst die Regel für deinen nächsten Trip nutzen. Denn es sollte immer ein Highlight geben (auch wenn es nicht gleich am Anfang sein muss) und ein gutes Ende. Das besagt die Peak-End-Regel von Nobelpreisträger Daniel Kahneman. Demnach bleibt bei einem Urlaub der Höhepunkt und das Ende im Gedächtnis – der Rest verblasst dagegen.

Learning: Ein geiles Highlight muss her und das Ende sollte man nicht versauen.

Ein Highlight findet sich leicht, ein paar Anregungen gibt es beim zweiten Tipp. Aber grade dabei, ein würdiges Ende zu finden für einen Trip, tue ich mich auch immer schwer. Was soll man da noch rausholen? Meistens bin ich müde und will nur nicht zu spät zum Flughafen kommen. Aber ich habe mir angewohnt, zumindest nochmal richtig gut zu essen und mir keinen Stress zu machen. Auf den Preis schaue ich dann sowieso nur noch in Ausnahmefällen. Und zum Flughafen fahre ich dann auch gerne mit dem Taxi. In den meisten Städten kommt das sogar noch relativ günstig und es ist mir jeden Cent wert, wenn ich mir eine nervige Busfahrt sparen kann.

„Stay hungry, stay foolish.“

Steve Jobs

2. Sei hungrig und kindisch

Wenn du was erleben willst, dann vergiss die Vernunft. Frei nach Steve Jobs: „Stay hungry, stay foolish“. Das ist für mich immer die Voraussetzung für ein persönliches Highlight. Das würde ich nochmal in zwei Schritte unterteilen.

Erste Option: Sei selber weird!

Schon mal angetrunken auf den Eiffelturm gestiegen? Mir bleiben immer die kindischen Geschichten im Gedächtnis und ich erinnere mich gerne dran. Beispiel Wien: Nach dem x-ten Bier (ich weiß es nicht mehr genau, wie viele es waren) hatten wir die glorreiche Idee, Kettenkarussell in 117 Meter Höhe auf dem Praterturm zu fahren. Kindisch, aber die besten Geschichten beginnen meistens mit der Frage „Sollen wir das wirklich machen?“ Noch ein paar Beispiele …

  • Während der EM 2016 ein England-Spiel unter lauter besoffenen Briten in einem Pub in Islington schauen
  • Aber dann auch das Deutschland-Spiel gegen die Ukraine in London unter lauter Deutschen schauen (Ich habe mich gefühlt wie am Ballermann)
  • Ein Blind Date in Wien ausmachen (Ich finde die Idee heute noch bescheuert, aber ich hatte deswegen den besten Sex meines Lebens – und das nicht nur an dem Abend in Wien …)
  • Das Champions-League-Wunder von Barcelona gegen Paris 2017 in Barcelona vor Ort miterleben – und mitten drin sein, als die ganze Stadt ausrastet
  • Mit einem Smart in die Toskana fahren und mitten in Florenz den Autoschlüssel verlieren (natürlich keine Absicht). Erst war es eine Katatstrophe – heute erzähle ich diese Geschichte am liebsten

Zweite Option: Schau dir das weirde Zeug an!

Meine Reise nach Andalusien im März 2018 war wunderschön: Sevilla hat mich beeindruckt, auch Cadiz war nett. Aber mindestens genauso spannend fand ich Gibraltar und den Affenfelsen. Und noch mehr beeindruckt hat mich die Reise von Jerez nach Gibraltar. Auf dem Weg mit dem Bus fährt man durch Orte wie Algeciras. Wahrscheinlich die hässlichste Stadt, in der ich jemals war. Aber grade solche Kontraste finde ich spannend. In Siena hat sich der Besuch im Foltermuseum gelohnt. Und in London gefallen mir Camden Market und Sky Garden auch besser als der Trafalgar Square oder der Buckingham Palace. Bald bin ich in Stockholm unterwegs. Die Millennium-Tour steht schon mal ganz oben auf meiner Liste. Es geht dabei um die Schauplätze der Millennium-Trilogie von Stieg Larsson.

„Pläne sind nichts. Planung ist alles.“

Dwight D. Eisenhower

3. Go with the Flow

Ich lese mir nie im Vorfeld Reiseführer durch und mache mir auch keine Liste davon, was ich alles sehen will oder muss. Klar, ich schaue mir auch kurze Videos an, um einen Eindruck von einer Stadt zu gewinnen. Oder surfe auf Wikipedia. Aber die wichtigsten Hot Spots kennt man sowieso – und ich will auch keinen Trip mit zu hohen Erwartungen überfrachten. Den Satz, den ich wahrscheinlich am öftesten gehört habe auf Reisen, stammt von meinem Vater: „Das hatte ich mir ganz anders vorgestellt.“ Da schwingt immer eine gewisse Enttäuschung mit – zumindest in meinen Ohren.

Mein Motto sieht anders aus: Rein ins Hotel, rein in die Sportklamotten und einfach losrennen. Eine Erfahrung in einer neuen Umgebung sollte intensiv sein – und nicht steril! Und zu Fuß kriege ich einfach am meisten mit. Wenn alles an einem vorbeizieht. Ich liebe es auch mit Köpfhörern entspannt durch eine fremde Stadt zu laufen und mich treiben zu lassen. Nach dem Motto von Dwight D. Eisenhower: „Pläne sind nichts, Planung ist alles“. Im Vorfeld kann ich mir viel überlegen, am Ende kommt es dann doch anders. Ich plane lieber vor Ort und überlege mir genau, worauf ich grade Lust habe. Das plane ich dann aber genau. Gerade wo es abends hingeht zum Essen, plane ich minuziös. Es gibt nichts Schlimmeres als einen Urlaubs-Abend in einem schlechten Zufalls-Lokal zu versauen.

4. Hol dir dein persönliches Souvenir

Ich stehe nicht auf klassische Souvenirs. Aber Erinnerungen will ich trotzdem haben. Bei mir sind das vor allem Fotos. Gerade Nachtaufnahmen von Städten liebe ich und nehme mir auch gerne abends mal zwei Stunden Zeit dafür. Ich will von jeder Reise zumindest ein Foto haben, das mir so gut gefällt, dass ich es mir auch jederzeit an die Wand hängen würde. Das beste Beispiel ist das Beitragsbild oben: Ich habe es 2016 in Madrid geschossen – und es hängt tatsächlich über meiner Couch. Und ein Bild, das ich 2017 in Valencia gemacht habe, hängt über meinem Bett.

Aber du kannst dir natürlich auch einen handgeknüpften Teppich aus Marokko mitnehmen. Oder ein teures Olivenöl aus der Toskana. Aber bitte kauf dir keinen Schrott in irgendeinem Touri-Shop.

5. Lass dir Zeit – und verschwende keine

Kennst du diese Touris, die sich ein Audiobook anhören, das sie nicht interessiert und von dem sie kein Wort verstehen? Mein größter Horror sind Museen, in denen irgendwelche Geschirr-Sammlungen ausgestellt sind. Egal ob in der Wiener Hofburg oder im Tower von London, es mag ja spannend sein, aber ich finde es furchtbar und ich verschwende auch keine Sekunde damit. Ich frage mich immer, ob andere Menschen das wirklich spannend finden oder ob sie nur so tun, weil es sich gehört oder weil man ja schließlich Eintritt dafür bezahlt hat.

Nimm dir lieber Zeit für jene Sachen, die du liebst. Und dann sehr viel Zeit. Wenn mich ein Gemälde packt, dann kann ich mich auch 15 Minuten davor setzen. Mir fallen grade die schwarzen Gemälde von Goya im Prado-Museum in Madrid ein, oder das Van-Gogh-Museum in Amsterdam. Wenn dich etwas packt, dann lass dir viel Zeit.

Ich finde auch Lesen auf Reisen viel intensiver. Ich kann mich heute noch an Momente und Orte erinnern und weiß genau, welche Zeilen ich gelesen habe. Neulich in Krakau im Café einen spannenden SPIEGEL-Artikel über Donald Trump. Damals auf dem Flug nach Brüssel ein überragendes Interview im Zeit-Magazin mit Axel Hacke und Harald Martenstein. Toll finde ich auch Bücher mit Bezug zum Reiseziel. Beispielsweise hab ich zum ersten Mal mit Fernando Pessoa beschäftigt, als ich nach Lissabon geflogen bin. Es hat sich gelohnt …

Extra-Tipp: Mach es auf eigene Faust

Wenn du Bock auf einen Trip hast und niemanden findest, der grade Zeit oder Bock hat: Dann fahr einfach allein. Ich hab es zwar erst zweimal gemacht, aber ich habe es nie bereut …

Welche Gadgets ich immer auf Reisen dabei habe:

Smartphone voll mit guter Musik und Hörbüchern (zu meinen Hörbuchtipps geht’s hier): iPhone

Kopfhörer mit Noise Cancelling (gerade in lauten Flugzeugen unbezahlbar): Bose Quiet Comfort 35 II

Powerbank ist ein Muss: Anker Power Core

Mini-Stativ für Fotos: Gorillapod

Spiegelreflex für perfekte Souvenir-Fotos: beispielsweise Canon 650D

1 comment

  1. Ja, ich finde auch, dass es sich lohnt etwas mehr Geld in ein Taxi zum bzw. vom Flughafen oder einen Flughafentransfer zu investieren. Mich stresst es ungemein, vor allem mit Gepäck die richtige Haltestelle zu finden, um mich dann in einen überfüllten Bus zu quetschen. Da starte ich meinen Urlaub lieber entspannter!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*